Wie wird ein Surfboard hergestellt? Ein Einblick in die Kunst des „Surfboard-Makings“

am - in Ausrüstung, Know-How

Ein Surfboard herzustellen ist wie ein Gemälde zeichnen, es ist Kunst. Die Geschichte des Surfboard-Makings ist schon sehr alt und durch immer wiederkehrende Weiterentwicklungen von Formen und Materialien haben sich Surfboards in den letzten Jahrzehnten extrem verändert. Ein Surfboard herzustellen erfordert höchste Präzision und eine Menge Feingefühl. Deshalb soll dir dieser Artikel auch nicht beibringen, wie man ein Surfboard herstellt, sondern einen Einblick geben.

Dadurch wirst du später besser verstehen können, wie das Surfboard funktioniert, das du surfst. Wie sich die Eigenschaften der Form auf die Surfbarkeit oder die Stabilität in der Welle auswirken. Also macht dich ein Artikel über den Surfboard-Bau zu einem besseren Surfer? Ja, irgendwie schon, denn du lernst das Material besser kennen und kannst auf die Eigenheiten deines Boards besser eingehen. Außerdem ist es unglaublich interessant zu sehen, wie ein Surfboard hergestellt wirkt. Es ist einfach erstaunlich wie viel Feingefühl in einem Board steckt, dass am Ende für kraftvolles und radikales High-Performance-Surfen taugen soll. Für diesen Artikel habe ich eine indonesischer Surfboard-Manufaktur besucht, um für mich selber ein besseres Verständnis über den Bau zu erlangen. Und los gehts!

Wichtige Begriffe

Wichtige Begriffe

Als aller erstes müssen wir einige Begriffe erläutern, um dich perfekt auf alle Abschnitte vorzubereiten. Ihr wisst ja Surf-Slang ist so eine Sache. Also nehmt euch bitte ein kleines bisschen Zeit, versteht die Begriffe und verinnerlicht die Unterschiede.

Die Grundlage eines Surfboards: „die ersten Schritte mit dem Rohling“

Beim Herstellen von einem Surfboard, fängt man wie bei allem, von vorne an. Darum soll es in diesem Abschnitt nur um die verschiedenen Formen des Rohlings gehen. Der Rohling wird auch Blank genannt, falls euch dieser Begriff mal begegnen sollte. Im Prinzip ist das nicht weiter als zwei Schaumstoffteile, die mit einem Stringer in der Mitte verklebt sind. Allerdings ist Blank nicht gleich Blank. Die Qualität deines Surfboards, hängt extrem von der Qualität des Rohlings ab. Dies ist auch der Grund warum viele indonesische Shaper ihre Blanks aus Australien importieren.

Ist das Blank einmal angekommen, kann sich der Shaper dazu entscheiden den Rohling durch eine Maschine (meist Fräsen) vorab in Form zu bringen oder den Rohling von Grund auf selbst zu shapen. Die Variante mit einer Maschine macht den Prozess des Shapen’s wesentlich schneller, warum heute viele der Shaper auf einen Rohling zurückgreifen, welcher schon vorgefertigt ist.

Das Shaping von einem Surfboard vom Anfang bis zum Ende

Ein Surfboard zu Shapen ist eine Art von Kunst. Es braucht mehrere hundert Versuche, bis man ein richtig gutes Brett herstellen kann. Diese Erfahrung ist sehr wichtig besonders, wenn der Shaper auf die Wünsche eines Profisurfers eingehen muss. Da geht es dann schonmal um Milimeter. Stellt euch vor, dass er ein Gemälde nach deinen Wünschen malen soll. Die wichtigste Komponente dabei ist dann die Kommunikation zwischen dir und dem Shaper und der Shaper kann deine Wünsche nur umsetzen, wenn er seit Jahren macht, was er am Besten kann. Das reine Handwerk und der Vorgang erfordert viele unterschiedliche Werkzeuge und Tools, um einen Rohling zu einem funktionierendem Surfboard zu machen. Im laufe dieses Abschnittes werdet ihr viele dieser Tools sehen und gleichzeitig verstehen wofür sie gebraucht werden. Los gehts!

Bottom & Concave

Jedes Surfboard hat einen unterschiedlichen Bottom und die Concaves, welche der Shaper in den Bottom einbringt sind für die Fahreigenschaften deines Surfboards Extrem wichtig, da die untere Seite deines Surfboards auf dem Wasser aufliegt wenn du surfst. Ihr kennt das sicher alle noch aus der Schule, aus dem Physikunterricht, Konkave ist eigentlich der total falsche Ausdruck. Um genau zu sein müssten wir den Begriff Konvex benutzen und davon gibt es verschiedene Formen. Ich versuche es so einfach zu machen wie es geht. Die Biegung unter deinem Surfboard kann eingewölbt, gerade oder ausgewölbt sein. Nehmen wir ein Longboard als Beispiel. Meisten hat ein klassisches Longboard eine Einwölbung (im Kontext auch Concave genannt) direkt von der Nose ausgehend. Sie nimmt je nach Shape eine Länge von 1/3 des Surfboards ein. Danach wird das Board am Bottom meist gerade oder auch flach bis es in eine rundere ausgewölbtere Form übergeht. Beim Longboard kann man die Unterschiede sehr schön sehen, hingegen sind die Unterschiede bei einem Shortboard oder einem Fish sehr viel schwieriger zu sehen.

Könnt ihr an dem Bild sehen, wie sich das Brett nach in unterschiedliche Richtungen wölbt je nach Bereich?

Nose und Tail

Die Nose und das Tail. Über beide Bereiche des Surfboards gibt es unterschiedlich viel zu sagen. Die Nose kann verschiedene Formen annehmen und besonders der Rocker ist entscheidend für das Handling eines Surfboards. Gerade bei kürzeren Brettern könnt ihr normalerweise beobachten, dass mehr Rocker vorhanden ist, als in einem Longboard. Das hat unterschiedliche Gründe in Bezug auf die Performance eines Boards. Aber über diese Eigenschaften werde ich einen eigenen Blogeintrag schreiben. Die Nose kann außerdem Variationen in der Form aufweisen. Sie kann eher Rund oder mehr Spitz sein. Ihr werdet viele dieser Formen in unterschiedlichen Arten von Surfbrettern finden. Die sogenannten Fun-Shapes haben oft eine etwas rundere Nose und high performance Shortboards sind oft sehr spitz. Ein Longboard kann sehr rund oder auch ein wenig angespitzt sein.

Das Tail eines Surfboard ist sehr viel ausschlaggebender für das Fahrverhalten eines Surfboards als die Nose. Deshalb finden sich auch extrem viele Varianten im Surfboardbau, die bis hin zu experimentell beschrieben werden können. Die wichtigsten Formen sind die Round Tails, Squash Tails, Fish Tails, Pin Tails und Square Tails. Bei allen Formen des Tails ist die Art und Weise, wie es geshaped wird völlig unterschiedlich. Hier siehst du das Aussägen eines Fish-Tails per Hand.

Die Rails

Die Rails eines Surfboards bestimmen nicht nur die Form, wenn du das Brett anschaust, sondern sorgen auch für die Eigenschaften und Charakteristiken eines Surfboards. Rails können sehr scharf oder sehr rund sein. Sie gehen meistens mit scharfen Kanten vom Tail aus und laufen dann in eine etwas rundere Form über. Die „schärfe“ (d.h. wie scharf die Kante ist) der Rails bestimmt, wie das Board die Welle greift, wenn du es turnen möchtest, wie das Board auf der Welle liegt und wie feinfühlig es zu manövrieren ist. Ein klassisches Longboard hat zum Beispiel sogenannte 50/50 Rails. Das bedeutet, dass ihr bis zum Tail keine Kanten finden könnt. Das macht das Brett langsamer und gleichzeitig auch schwieriger zu Turnen. Da man allerdings ein langsames Brett zum Noseriden haben möchte sind die 50/50 Rails perfekt für klassische Longboards. Es kommt also auf deine persönliche Präferenz an. Die Shaper haben meisten mehr Erfahrung als wir selber. Darum ist es richtig und auch wichtig den Shaper deines Surfboards nach Rat zu fragen.

Wichtige Schritte, um einen Shape fertig zu stellen

Nach dem Shapen dieser drei Parts ist das Surfboard fast fertig. Es fehlen eigentlich nur noch die Fin-Boxen, welche symmetrisch angezeichnet werden und das Signing. Die Finnen sollen später eine bestimmte Ausrichtung mit einer festgelegten Neigung am Surfboard haben. Darum nimmt sich ein Shaper normalerweise sehr viel Zeit für die genaue Platzierung und Anzeichnung der Boxen. Unten links sehr ihr die Schablone, welche für diesen Arbeitsschritt verwendet wird.

Der letzte Arbeitsschritt ist das Signing. Am Anfang des Artikels hatte ich ja mal erwähnt, dass ein Surfboard shapen wie Kunst ist. Jeder Künstler setzt deshalb auch seine Unterschrift unter ein Gemälde oder ein Foto. Genau das machen auch Shaper. Dazu gehören auch die Maße und für wen das Board geshaped wurde. Das seht ihr unten rechts.

Das Glassing bringt das Surfboard zum Leben

Stellt euch das Glassing vor als würdet ihr mit einem Spachtel euren frisch gebackenen Kuchen mit einer Glassur versehen. Ihr verarbeitet die Glassur bis keine Lufteinschlüsse mehr vorhanden sind und der ganze Kuchen bedeckt ist. Genau so ist es auch bei einem Surfboard. Das Glassing besteht aus mehreren Arbeitsschritten.

Als erstes werden die Glasfasermatten von einer Rolle gezogen und in die richtige Größe geschnitten. Danach richtet man die Matten richtig aus und mischt Resin, Härter und Farbe zusammen. Danach muss es schnell gehen. Denn das Resin trocknet extrem schnell. Beobachtet man den Vorgang kann man sogar hören wie das Resin trocknet. Während des Glassings wird jegliche Luft aus den Glasfasermatten gedrückt. Dazu benutzt der Glasser einen Spachtel. Das ist ein bisschen, wie das aufbringen einer Klarsichthülle auf ein Telefon. Es erfordert extrem hohes Fingerspitzengefühl, um diesen Arbeitschritt richtig auszuführen. Ist die erste Seite fertig gestellt, muss man etwas warten und kann das Board dann auch am Bottom glassen. Nach dem Glassen muss das Brett für eins bis zwei Tage trockenen. Diese Zeit kann genutzt werden, um das Logo auf das Board aufzubringen. Surfboard-Firmen haben oft ihr eigenen Logos. Dabei können die Logos unterschiedlich aufgebracht werden. In diesem Fall haben wir einen Siebdruck gemacht. Ihr könnt euch ja sicher vorstellen, dass die Glasfaser eine Struktur aufweist. Um diese Strukturen zu beseitigen und zu glätten benutzt man einen Filler. Dieser wird ein Paar mal aufgetragen bis das Surfboard schön glatt ist.

Eine staubige Angelegenheit: das Sanding

Das sanding eines Board ist sozusagen das Finishing. Das matte Surfboard wird sehr glatt und fein geschliffen. Das wird normalerweise mit einer normalen Schleifmaschine gemacht. Dabei benutzt man ein sehr feines Schleifpapier. Und damit ist dein Brett fertig. Am ende wird es nur nochmal abgewischt, damit die Shaper es dir sauber und schön übergeben können. Danach sollte jedes Surfboard für eine Weile trockenen. Das kann je nach Dicke des Glassings und der Qualität des Materials unterschiedlich lang dauern. Aber normalerweise sollte dein Board nach 1-2 Wochen Surfbar sein.

Fazit

Also, das ist es. So wird ein Surfboard hergestellt. Ich glaube fest daran, dass dich das Zuschauen und der eigentliche Prozess das Shapens unglaublich weiter bringt, wenn es ums Surfen und dein Surfboard geht. Also kann ich jedem nur empfehlen mal eine Surfboard-Manufaktur zu besuchen und sich das ganze anzuschauen. Es ist unglaublich interessant, wenn man den erfahrenen Jungs bei ihrer Arbeit zuschauen kann. Das ist ein bisschen so wie professionellen Surfern zuzuschauen und selber gestoked zu werden. Ich hoffe morgen werdet ihr euer Surfboard aus einem neuen Blickwinkel betrachten. Eine ganz andere Art der Surfboards sind die Softtop Boards. Vorteile von Softtop Surfboards findet Ihr hier.

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Zu finden am Atlantik, oder indischen Ozean.

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